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Was hat ein Weiher mit Mitarbeiterbindung zu tun? Sehr viel, wie die nachfolgende Fragestellung zeigt: Welches ist Ihre erste Aktion, wenn Sie einen Weiher befüllen wollen? Die meisten denken dabei wohl ans Einlassen des Wassers. Auf das Naheliegendste kommt im ersten Moment niemand: Zuerst muss nämlich der Boden mit Plastik belegt werden, um zu verhindern, dass das Wasser im Boden versickert! Ist eigentlich logisch und doch verhalten sich noch immer sehr viele Arbeitgeber gegenteilig. Es werden bei hoher Fluktuation immer wieder neue Mitarbeitende eingestellt. Eine bessere Lösung wäre es, wie unser Weiher-Beispiel zeigt, den Wasserabfluss zu verhindern, um mit Mitarbeiterbindung und Arbeitgeberattraktivität die besten Leute langfristig im Unternehmen halten zu können. Nachhaltigkeit ist also auch in diesem Zusammenhang von entscheidender Bedeutung.

Warum ist es nun so wichtig, ein attraktiver Arbeitgeber zu sein und die Mitarbeitenden im Unternehmen halten zu können? Durch den demografischen Wandel sinkt die Anzahl der jungen Menschen, die in den Arbeitsmarkt eintreten. Zusätzlich wird die Zunahme der altersbedingten Austritte die Situation verschärfen. Das Ergebnis ist eine progressive Zu-nahme des Arbeitskräftemangels. In den kommenden 10 Jahren werden auf dem Arbeitsmarkt rund 0,8 Mio. Menschen fehlen, was sich zuverlässig aus den Geburtenzahlen der zukünftigen Arbeitsein- und -austritte berechnen lässt. Wenn die Nachfrage nach Arbeitskräften gleichbleibend ist, werden 2029 ungefähr 800‘000 Stellen offen sein.

Der Arbeitsmarkt umfasst heute rund 5 Mio. besetzte Stellen. Davon sind ca. 3,6 Mio. Stellen von Schweizerinnen und Schweizern und ca. 1,4 Mio. Stellen von Ausländerinnen und Ausländern besetzt. 2029 wird jede 6. der heutigen Stellen vakant und kann nicht wiederbesetzt werden. 2039 wird es bereits jede vierte Stelle sein. Das Bundesamt für Statistik (BFS) nimmt an, dass dieses Defizit durch Zuwanderung zumindest ein wenig gemildert werden kann. Das BFS geht von einem positiven Wanderungssaldo (Differenz zwischen der Anzahl Menschen, die die Schweiz verlassen und derjenigen, die in die Schweiz ziehen) von jährlich 30’000 Erwerbspersonen aus. Somit wären 2039 immer noch 700’000 Stellen offen, die nicht besetzt werden können. Das ist mehr als dreimal so viele wie heute.


Der Wandel vom Arbeitgeber- zum Arbeitnehmermarkt hat bereits begonnen. Arbeitnehmende werden in Zukunft vermehrt die für sie attraktivsten Unternehmen auswählen können. Für Unternehmen, die dies nicht rechtzeitig erkennen, wird die Lage im Arbeitgebermarkt schwierig. Was kann getan werden? Eines ist klar: es braucht eine Strategie, um erfolgreich zu sein. Zuerst sollte ein klares Ziel definiert werden, bevor Führungskräfte und Personal-Management irgend-welche Aktionen unternehmen. Wenn Sie die Arbeitgeber-Attraktivität Ihres Unternehmens gezielt steigern wollen, sollten Sie zuerst die Bindung und Identifikation der bestehenden Mitarbeitenden festigen. So können Sie ein authentisches Bild Ihres Unternehmens auf dem Arbeitsmarkt vermitteln und neue, passende Mitarbeitende anziehen.


Wie können Sie denn nun die Mitarbeiter-Identifikation steigern? Zum Beispiel durch Stärkung der emotionalen Bindung, denn Mitarbeitende, die sich ihrem Arbeitgeber stark verbunden fühlen, fehlen nur halb so oft am Arbeitsplatz wie wenig verbundene. Eine gängige Methode der Mitarbeiterbindung ist die Vergabe von Benefits, Vergütungen und Zuwendungen. Natürlich müssen diese dem Vergleich mit Ihren Konkurrenten im Arbeitsmarkt standhalten. Dabei ist aber zu bedenken, dass es sich nur um Hygienefaktoren handelt, die mit der Zeit an Attraktivität verlieren, da sie als normal/ gegeben angeschaut werden. Weiter kann auch durch Rituale und Förderung der Vernetzung eine Bindung der Mitarbeitenden erreicht werden. Auch kann zum Beispiel durch Investitionen in die Weiterbildung des Mitarbeitenden eine Bindung, basierend auf Verpflichtungsgefühlen, erzeugt werden. Die HR-Abteilung kann Massnahmen zur Mitarbeiterbindung, wie Betriebskindergärten, Work-Life-Balance, Betriebsfeiern, Gesundheits-Management oder hochwertiges Kantinenessen nur nach dem Giesskannenprinzip verteilen. Individuelle Mitarbeiterbindung ist jedoch primär eine Führungsaufgabe. Die künftige Überlebensfähigkeit von Unternehmen hängt in hohem Masse davon ab, ob und wie Ihnen das Binden, Gewinnen und Motivieren der Mitarbeitenden gelingt. Da ist es doch gut zu wissen, dass die wirksamste aller Massnahmen zu-gleich die kostengünstigste ist: Das Führungsverhalten der direkten Vorgesetzten.